Presse

Privatbank für „normale Menschen“

Die Presse, Printausgabe, 26.06.2017

Sparen. Der neue Anbieter Finabro versucht, die Vorteile einer Online-Bank mit dem aktiven Management einer Privatbank zu verbinden. Das Sparen steht im Mittelpunkt.

Søren Obling ist es ein persönliches Anliegen, erzählt der gebürtige Däne der „Presse“: „Ich war mit meiner Mutter in der Bank. In Dänemark. Sie wollte rund 100.000 Euro anlegen. Es gab nur drei kurze Fragen. Ob sie eine Spielerin sei. Ob sie Gürtel und Hosenträger gleichzeitig trägt. Und ob sie das Geld bald brauche oder warten könne.“

Am Ende habe die Bank einfach ein paar Standard-Fonds vorgeschlagen und dafür 2,5 Prozent verlangt. Für Obling, der zuvor einige Zeit im Silicon Valley verbracht hat, ein „Trigger“, wie er sagt: „Das muss besser gehen, habe ich mir gedacht. Für dieses Problem muss es eine Lösung geben.“

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem Banker Oliver Lintner, hat der in Wien lebende Obling deswegen jetzt Finabro ins Leben gerufen. Einer der ersten externen Investoren ist die UniqaVersicherung. Die neue kleine Anlageberatungsfirma stützt sich auf zwei Pfeiler: Private Banking – auch für kleinere Summen. Und natürlich Technik. Der Anmeldeprozess bei Finabro läuft gänzlich online ab (www.finabro.at). Am Schluss führt man ein Beratungsgespräch – per Webcam. Dafür müssen die Kunden dann nicht 2,5 Prozent, sondern nur 0,8 Prozent an Gebühren zahlen – plus etwaige Fondsgebühren.

„Sehen uns als Sparberater“

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Bank (neben der Abwesenheit von Filialen): Finabro will die Gelder der Kunden auf ein Ziel ausgerichtet verwalten, wie eine Privatbank. So soll ein großer Verlust verhindert werden – etwa in einer Finanzkrise. Wobei das Anlegen bei Finabro weniger im Mittelpunkt steht als das klassische Sparen – und die private Pensionsvorsorge. Denn die werde in Österreich bisher zu wenig ernst genommen, findet Obling.

„Wir wenden uns explizit an normale Menschen. Wir sehen uns als Sparberater. Wir wollen die Kunden bei dem Thema unterstützen. Deshalb ist bei uns die erste Frage: Wofür wird gespart? Und die zweite Frage lautet: Wie viel brauche ich eigentlich, wenn ich zum Beispiel für die Pension spare?“Der Gründer sieht Finabro als Alternative zur klassischen Bank, die teuer sein kann – aber auch zur Direktbank: „Dort muss man alles selbst machen.“

Freilich kochen auch Obling und Lintner nur mit Wasser. Das Geld der Kunden soll in einem Portfolio von Fonds angelegt werden. Mehr Risiko: mehr Aktien. Weniger Risiko: mehr Anleihen. Einen Trick hat Finabro noch im Ärmel: Das Produkt wird auch als Lebensversicherung angeboten, was nach zehn Jahren steuerlich günstig ist. Der Kunde schließt Bankdepot bzw. Lebensversicherung direkt ab und bleibt Kunde bei den Partnern von Finabro, sollte dort etwas schiefgehen.
Das Team besteht bisher nur aus den Gründern. Heuer sollen noch drei Leute dazukommen. Als Ziel hat man sich für das erste Jahr gesetzt, 300 bis 500 Kunden zu gewinnen. (jil)